Eröffnungsausstellung in der neuen Kunstgalerie verschoben


Von Ludwig Laibacher

Stuttgarter Zeitung, 22.02.2003
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Historische Pfleghofscheune in der Altstadt vom Schimmelpilz befallen - Gebälk und Mauerwerk müssen erneuert werden

LEONBERG. 2003 wird für Leonberg ein kunstarmes Jahr: Die neue Galerie, die im Mai öffnen sollte, wird wohl erst im Herbst Publikum sehen. Der Grund: der Schimmelpilz hat sich in Mauern und Gebälk der Pfleghofscheune eingenistet.

Lange plagten den Galerieverein sehr ernste Geldsorgen, nun fordert auch noch die Natur in Form ausgeprägter Pilzkulturen in Holz und Mauerwerk der historischen Pfleghofscheune ihren Tribut. Zum Glück handle es sich bei dem erst vor wenigen Wochen aufgeblühten Geflecht nur um einen gewöhnlichen Schimmelpilz, nichts Giftiges also, beteuert die Architektin Gabriele Dongus, die den Umbau leitet. Aus technischer Sicht lasse sich das Problem relativ leicht beheben. Aber es werde den Galerieverein allemal teuer zu stehen kommen. Mit wenigen Abstrichen werden die Mehrkosten ganz zu Lasten der Kunstvereinigung gehen, und aus der Eröffnung im Frühling wird erst mal nichts.

Die Pilzsporen seien nach Ansicht des Stuttgarter Sachverständigen Klaus Hoch sicher schon ewig in der Luft vorhanden gewesen, sagt Dongus. Aber solange alles zugig im Haus war, gab es auch keine Schäden. Erst nach dem Einbau von Dämmplatten im Dach und nach einem ersten Heizen der alten Scheune hätten die Sporen sich eingenistet und ihre Zerstörungsarbeit begonnen. Nun hoffen die Experten, dem Pilz mit Borwasser und Imprägniermitteln beizukommen, zumindest was die Balken anlangt. Teile der Holzes müssen "gesundgeschnitten" werden, das heißt: Befallene Abschnitte werden herausgesägt und durch neue Stücke ersetzt. Häufig sei auch nur die Oberfläche schimmelig. In diesen Fällen könnten die Handwerker den Pilz mit Stahlbürsten beseitigen.

Viel härter trifft die staatlichen Denkmalschützer allerdings, dass wegen des Schimmelpilzes sehr viel vom originalen Mauerwerk nicht mehr zu retten ist. Gerade in den bis zu 200 Jahre alten Gefachen fand der Pilz idealen, organischen Nährboden: Hier wurden Feldsteine, Mörtel, Erde und wohl auch Kuhmist eingearbeitet. Zähneknirschend mussten die Kulturbewahrer zustimmen, dass die befallenen Gefache - fast alle auf der West-, Nord- und Ostseite im ersten Obergeschoss - ausgeschlagen und durch Backsteine ersetzt werden. Finanzieren jedoch muss die Behörde nur zusätzliche Ausbesserungen, die im Sinn des Denkmalschutzes geschehen. Das werde nur einen Bruchteil der Zusatzkosten ausmachen, meint die Architektin.

Auch aus dem Rathaus sei kein Zuschuss mehr zu erwarten. Der Anteil der Stadt betrage 547 000 Euro, was zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses vor drei Jahren etwa der Hälfte der gesamten Umbaukosten entsprach. Auch wenn diese Summe nun nicht mit den gestiegenen Kosten mitklettere, müsse man froh sein, dass die Stadt so viel in die Galerie investiere, sagt Gabriele Dongus. "Bei der aktuellen Finanzsituation Leonbergs können wir von Glück sagen, dass diese Vereinbarung überhaupt zustande kam."

Für den Galerieverein aber bedeutet das vor allem: er muss weiterhin und noch stärker als bisher nach Sponsoren suchen. Wie teuer die Beseitigung der Pilzschäden und die verzögerte Öffnung des Hauses wird, sei noch nicht bekannt, sagt Dongus. "Wir sind noch dabei, eine Liste zu erstellen." Glücklicherweise sei der Künstler flexibel, mit dem die Leonberger Kunstfreunde die große Eröffnungsausstellung bestreiten wollen. Dieser könne die Schau auch im Herbst statt im Frühjahr bestücken. Trotz allem Ärger sei es besser, dass der Pilz jetzt entdeckt wurde, meint die Architektin. Ein solcher Schaden nach Fertigstellung des Hauses - und die Folgen wären nicht auszudenken.
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