"Haus der Kunst" nimmt Gestalt an
Richtfest am 14. Juni 2002

Zimmermeister und Restaurator,
Jürgen Ziegler, hält den Richtspruch


Von Arnold Einholz
Leonberger Kreiszeitung, 15.06.2002
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"Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.'' Rainer Maria Rilke wusste schon vor 100 Jahren um die gegenwärtige finanzielle Situation von Leonberg und des Galerievereins. Zumindest zeigte sich Vereinsvorsitzender Dr. Axel Kuhn gestern beim Richtfest davon überzeugt.

Angesichts der gegenwärtigen finanziellen Lage der Stadt würde der Gemeinderat heute den Galerieverein nicht mehr so großzügig unterstützen, so Kuhn, der voll des Lobes für die gute Zusammenarbeit mit der Stadt war. Für das "Haus der Kunst'' wünsche er sich zum einen einen zügigen Baufortschritt und zum anderen weiterhin großzügige Spender und Sponsoren, damit wie geplant die Galerie am 6. April 2003 mit einer Ausstellung eröffnet werden kann.
Auch Wieland Storek, beim Galerieverein Leiter des Bauausschusses, machte deutlich, dass es ohne die großen Spenden der Wüstenrot-Stiftung, der Kreissparkasse Böblingen, von Bülow aus Stuttgart und die 100 000-Mark-Spende eines Unbekannten nicht gut um die Finanzen aussehen würde.

Das alte Gemäuer in der Zwerchstraße ist immer für eine Überraschung gut, das haben die Handwerker und Architektin Gabriele Dongus-Krämer inzwischen erfahren müssen. Seit im Oktober letzten Jahres die Handwerker in dem Bau zu Gange sind, heißt es oft, schnelle Entscheidungen zu treffen, denn es gibt "viele neue Entdeckungen zu meistern'', meinte die Architektin gestern beim Richtfest. In die alte Hülle des Gebäudes wurden inzwischen neue Betonböden eingezogen. Die Außenwände wurden unterfangen - sie hatten keine Fundamente, aber nachdem einiges geändert wurde, mussten welche errichtet werden. Das Holztragwerk ist saniert. In Kürze wird die Fassade geschlossen, und in etwa sechs Wochen wird auf den alten Dachstuhl der neue aufgesetzt. Im Inneren wurde in Sichtbeton als modernes Element der Schacht für die Treppe und den Aufzug gegossen. Alles, was ersetzt oder neu gebaut werden muss, wird später erkennbar sein. Dieser Leitlinie des Denkmalamtes in Stuttgart muss Architektin Gabriele Dongus-Krämer folgen.

Auf 1,53 Millionen Mark waren anfangs die Kosten für die Renovierung der Scheune angesetzt. Aber Berechnungen im Sommer 2001 hatten rund 600 000 Mark Zusatzkosten ergeben. Somit wird das ehrgeizige Projekt rund 1,1 Millionen Euro kosten. Die Stadt beteiligt sich mit 50 Prozent, finanziert in den Haushaltsjahren 2001 und 2002. Den Rest, abzüglich möglicher beantragter Denkmalzuschüsse, muss der inzwischen über 400 Mitglieder zählende Galerieverein selbst aufbringen.

Im Juli 1996 wurde der Galerieverein aus der Taufe gehoben mit dem Ziel, den Ausbau der historischen Pfleghofscheune zur Galerie für zeitgenössische Kunst zu fördern. Grundlage für den Beginn des aufwendigen Bauvorhabens bildet das im Jahr 1999 durch Stadt und Verein vertraglich festgelegte Finanzierungsmodell. Dieses basiert auf dem so genannten "dualen System'' und damit der hälftigen Teilung der gesamten Bau-, Einrichtungs- und Betriebskosten.

Das denkmalgeschützte Scheunengebäude stellt sich heute, so das Landesdenkmalamt, "als letztes markantes landwirtschaftliches Nutzgebäude in der Altstadt dar''. Im Gegensatz zum Wohnhaus, das von zwei privaten Eigentümern restauriert wurde, befand sich die Scheune allerdings in einem desolaten Zustand.

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