Menschen brauchen Kunst
und die Galerie

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Der Andrang im Theater im Spitalhof signalisierte gestern Morgen bereits um elf Uhr den besonderen Tag: Zuerst festliche, feierliche und frohe Reden, dann wurde in der benachbarten Zwerchstraße 27 in einer sanierten Scheune von 1814 die Galerie eröffnet. Eine wichtige Etappe ist in der historischen Altstadt für eine "Kulturmeile" mit Stadtmuseum, Spitalhof und Galerie erreicht.

Von Karl Geibel
Leonberger Kreiszeitung am 20. September 2004

Pünktlich, wie vorgesehen um 12.30 Uhr, durchschnitten Oberbürgermeister Bernhard Schuler und der Vorsitzende des Galerievereines, Professor Dr. Axel Kuhn, die Absperrbänder in den Stadtfarben. Applaus, viel Applaus von über 200 Kunstfreunden galt dem Galerieverein Leonberg e.V., im Juli 1996 gegründet und Initiator der Galerie, und der Stadt. Beide ließen in einer beispielhaften privaten-öffentlichen Partnerschaft das Werk gedeihen. Applaus auch der findigen Architektin Gabriele Dongus-Krämer für eine gelungene Antwort auf die "Herausforderung". Applaus den beiden Künstlern, die zur Premiere nicht besser hätten ausgesucht werden können: Stahlskulpturen von Robert Schad (der Ravensburger lebt in Südfrankreich) und Zeichnungen des Leonbergers Rolf Sauerwein.

Eine Geschichte mit Bangen und Sorgen erlebten die 79 Gründungsmitglieder um Professor Dr. Erich Fischer, Initiator des Vereines, der Idee der Galerie und selbst dann auch wichtiger Mäzen. Axel Kuhn ließ die Aktionen seit der Gründung Revue passieren: Prominente und aktuelle Ausstellungen in den "provisorischen" Räumen "Im Zwinger", die zu verkaufende Verhüllung der alten Scheune oder der Skulpturenpfad quer durch die Stadt und vieles mehr.

Bernhard Schuler sprach von anfänglicher Skepsis gegenüber der Galerie, die jetzt ein Ereignis in der Geschichte der Stadt geworden sei. Er nannte die Entscheidung der Partnerschaft "wichtig, richtig und richtungsweisend". Trotz aller Sparzwänge - hier sei in ein Zukunftsfeld einer Gesellschaft investiert, deren Arbeits- und Altersstrukturen sich änderten. Unter anderem Toleranz, Kreativität, konfliktfreie Begegnungen schaffe eine Galerie für bildende Kunst; sie fördere Leben und Identität in und mit einer Stadt.


Charlotte Fischer trug die Gedanken ihres erkrankten Mannes vor: ein leidenschaftlich-vernünftiges Plädoyer für eine Kunstgalerie, sie sei ein mehrfaches Muss für eine Stadtgesellschaft. Wegen der verbindlichen psychischen und geistigen Kräfte, die durch die bildende Kunst freigesetzt werden. Mit "suchen, motivieren und schieben" - "goldmedaillenreif" habe der Galerieverein Mäzene gesucht und gefunden. Für sie sprach Dr. Berthold Eilebrecht, der die gesellschaftsbildende Kraft des Galerievereines würdigte. Der Vormittag erhielt durch die Impressionen von Claude Debussy, auf dem Flügel von Margit Honecker vorgetragen, akustische Farbe.

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