Emblem des Galerievereins
Emblem des Galerievereins
Gedanken zum Emblem
Von der Scheune zur Galerie

Am 10. Juli 1996 wurde der GALERIEVEREIN LEONBERG E.V. gegründet, der sich für den Ausbau der alten, denkmalgeschützten Scheune zu einer Galerie einsetzt. Diese Scheune steht an der Zwerchstraße 27 im Herzen der Leonberger Altstadt.

Von Erich Fischer

Der Leonberger Künstler Werner Schmal, Gründungsmitglied, hat die Scheune als Motiv für das Emblem des Galerievereins verwendet: seine drei Bilder zeigen je eine künstlerisch gestaltete Sichtweise der Scheune. In ihrer Abfolge drückt sich in der Sprache des Bildes sowohl Bekenntnis als auch Programm aus.

Das erste Bild kommt der Realität der Scheune am nächsten, gemäß stilistischer Zuordnung entspricht es der Gegenständlichkeit. Im zweiten Bild ist die Kleinteiligkeit des Balkenwerks verschwunden, stilistisch gesehen ist das eine Reduktion. Auch ist der angedeutete Engelbergturm auf die Bergspitze gerückt und bekommt dadurch einen wichtigeren Platz. Im dritten Bild wird zwar das Balkenwerk noch weiter reduziert, aber es kommen Linien hinzu, die keinen Rückhalt in der Realität besitzen, dem zugehörigen Begriff nach ist das eine Abstraktion.

Der Künstler geht mit der örtlichen Gegebenheit frei um. Auf den Bildern sieht es so aus, als ob die Scheune im Schutze des Engelbergs stehe.

Auf dem dritten Bild hat der Künstler frei erfundene Linien hinzu komponiert, die von beachtlicher Bedeutung sind. Eine vertikale und eine schräge Linie ziehen von der Engelbergkontur zum oberen Bildrand, imaginär setzen sie sich darüber hinaus fort. Die schräg verlaufende Linie ist zugleich die Fortsetzung der rechten Scheunengiebelkontur. Die linke Kontur des Engelbergturms zieht sich nach unten weiter, überspringt imaginär die Baumkontur, verläuft vertikal nach unten durch das Dach, bildet dann die linke vordere Hausecke und durchquert die Straße vor der Scheune. Zwei weitere Linien links davon durchqueren auch Teile der Straße und verbinden sich nach oben mit vorhandenen Vertikalen. Die Dachfläche rechts vom Scheunengiebel wird von einer Diagonalen durchzogen, die nach schräg oben bzw. unten in die vorhandenen Linien gleicher Verlaufsrichtung übergeht.

So werden durch die hinzugefügten Linien verschiedene Verbindungen hergestellt: vom Berg und vom Scheunengiebel zum Himmel, vom Turm nach unten zum Baum- bzw. Buschwerk, von einem horizontalen Straßenzug am Engelberg nach unten zum Scheunendach und der Straßenseite der Scheune nach unten zur Straße vor der Scheune. Diese Verbindungen bedeuten, daß jetzt vieles miteinander in Beziehung gesetzt wird. Die Dinge bestehen nun nicht mehr für sich allein, sondern es steht jetzt alles mit allem in Verbindung.

Die Vorstellung von getrennten Objekten wird aufgehoben zu Gunsten einer Art Vernetzung, wie sie auch bestimmend geworden ist im neuzeitlichen Denken von Philosophie und Wissenschaft.

Im dritten Bild kommt das Modell der Vernetzung so weit wie möglich zur Wirkung, wenn auch die Scheune noch einer perspektivischen Sicht unterliegt. Aber durch die vielfachen Vernetzungen einschließlich der drei vertikalen Linien in der Straße vor der Scheune, die quere Hindernisse in Richtung der Fluchtlinie bilden, tritt die perspektivische Sichtweise kaum mehr hervor.

Die perspektivische Sichtweise war eine der großen Errungenschaften der Renaissance. Sie hat zu einer dreidimensionalen, illusionären Raumwahrnehmung geführt, die jahrhundertelang als die einzige und richtige angesehen wurde. Aber Gewohnheit ist kein Beweis für Richtigkeit, genau so wenig, wie ein für allemal festgelegt werden kann, was Wirklichkeit ist. Die neuere Hirnforschung hat gezeigt, daß die menschliche Raumwahrnehmung keineswegs perspektivisch ist, worauf an dieser Stelle nicht näher eingegangen werden kann. Schmal als moderner Künstler hat sich im dritten Bild weitgehend von der Perspektive auch als Weltbild gelöst und bewegt sich im Geistesstrom dieses ausgehenden Jahrhunderts.

Durch das Hinzufügen der beschriebenen Linien geht es dem Künstler auch darum, eine größere Harmonisierung des Verhältnisses von Kontur und Zwischenraum zu erreichen im Sinne einer Gleichwertigkeit der einzelnen Bildabschnitte.

Wenn man bei den ersten beiden Bildern die Horizontlinie, die Engelbergkontur, genau betrachtet, dann stellt diese eine Trennlinie dar zwischen dem Darüber - dem Himmelsbereich - und dem Darunter - dem Erdbereich. Eine solche Auffassung entspricht einem dualistischen Denken, einem Denken in Gegensätzen, einem Entweder-oder-Denken und nicht einem Denken in Sowohl-als-auch, wie es dem dritten Bild zugrunde liegt. Der Interpret geht mit seiner Auslegung nicht zu weit, sondern befindet sich in Übereinstimmung mit dem Denken von Werner Schmal. Schmals Kunstwerk, wie überhaupt jedes gelungene, enthält verschlüsselt etwas vom Bekenntnis, von der Weltauffassung des Künstlers. Picasso meint Ähnliches, wenn er sagt, man solle das Bild hinter den Bildern suchen.

So sieht der Galerieverein in der Dreierabfolge seines Emblems ein Programm für seine Arbeit: vom Vertrauten zum Neuen, Wertschätzung des Alten, aber Aufgeschlossenheit für Neues, Wandlungsfähigkeit, sich nicht dem Spektakulären zu verschreiben und die bevorzugte Zuwendung zu Regionalem.

Bilder sind nicht stumm. Wenn man sie befragt, antworten sie.
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