Der Unternehmer Hannes Burgdorf
sammelt seit seiner Studienzeit Kunst und stiftet einen Preis
Flüchtige Umarmungen am Sonnentor
Mit der flüchtigen Umarmung gibt es ein Platzproblem. Während das Sonnentor von Camill Leberer im großen Garten einen prominenten Ort gefunden hat, ist die große Stahl-Bodenplastik »Flüchtige Umarmung« von Jörg Bach, die jüngste Erwerbung des Kunstsammlers und Firmeninhabers Hannes Burgdorf aus der kürzlich zu Ende gegangenen Ausstellung im Galerieverein nicht an ihrem endgültigen Ort gelandet.
Schließlich kann der Leonberger nicht für jedes Kunstwerk in seinem Haus einen eigenen kleinen Raum schaffen, wie er es für ein Werk des »Nagelkünstlers« Günther Uecker getan hat. Zumal im Fall von Bachs Großplastik ein kleinerer Raum ohnehin nicht ausreichen und daher wohl auch in diesem Fall der Garten herhalten wird.

1. Juni 2013. Von Barbara Bross-Winkler, Leonberger Kreiszeitung

Hannes Burgdorf, Diplom-Kaufmann, Kunstsammler, Mäzen und langjähriger Geschäftsführer des inhabergeführten Stuttgarter Unternehmens »BURGDORF-OSMIROL-NÜSSLE HÄRTETECHNIK« hat sich vor knapp zwei Jahren zum großen Teil aus der Geschäftsführung zurückgezogen. Nun stehen sein Sohn, der Diplom-Kaufmann Frank Burgdorf, und der Gerlinger Diplom-Ingenieur Rainer Braun an der Spitze des Unternehmens, das 1949 von Burgdorfs Vater Karl-Wilhelm Burgdorf als Ein-Mann-Betrieb gegründet worden ist.
Auch wenn der umtriebig und für sein Alter von 69 Jahren überaus fit wirkende Leonberger nach wie vor Geschäftsführer von NÜSSLE GmbH & Co. KG Härtetechnik in Nagold und damit teil der Unternehmensgruppe ist, hat er nun doch mehr Zeit als zuvor seiner Leidenschaft fürs Tennis- und Golfspiel und das Sammeln von Kunstwerken nachzugehen. Und er hat einen mit 10 000 Euro dotierten Kunstpreis gestiftet, der zwar erst im Januar 2014 überreicht wird, dessen Empfänger aber bereits bekanntgegeben wurde.

Abstrakte Kunst und die nackten betriebswirtschaftlichen Zahlen, die ein schwäbischer Firmeninhaber immer im Blick haben muss - passt das zusammen? Warum stiftet ein studierter Betriebswirt und Kaufmann einen Kunstpreis? Das hat viele Gründe, wie der umgänglich zugewandte und offen wirkende Schwabe, der in Freiburg geboren wurde, erzählt.

Burgdorf ist das sechste von sieben Kindern und hat viele Jahre lang gemeinsam mit seinem älteren Bruder Eckhard die Firma geleitet, die vom Vater in Nienburg an der Weser begründet wurde und die schon seit 1950 in Stuttgart ihren Sitz hat.
Hannes Burgdorf ist nicht mit goldenen Wasserhähnen groß geworden. Im Gegenteil: Geld war in der Großfamilie ein ähnlich rares Gut wie in fast allen anderen Familien während der Nachkriegszeit.
Wenn gebadet wurde ging das der Reihe nach, die ältesten Kinder zuerst, die jüngsten zuletzt. Möglicherweise ist es ja auch die Kindheit unter bescheidenen Umständen, die Burgdorf heute noch erdet und ihn nicht blind macht für die oft harte Existenz von Künstlern. »Nicht jeder kann von seiner Kunst gut leben wie ein Baselitz oder Gerhard Richter«, weiß er. Während es für junge Künstler viele Fördertöpfe und Stipendien gebe, sei das für unbekanntere Künstler mittleren Alters nicht der Fall.

Auch wenn Burgdorf sagt, er bedauere es nicht selbst Künstler, Architekt oder Musiker geworden zu sein, »weil von denen etwas bleibt«, weiß er, dass er in seinem Leben viel Glück gehabt hat. »Deswegen will ich auch etwas weitergeben«, erklärte er.
Schon während des Betriebswirtschaftsstudiums in Köln hat Burgdorf angefangen, Kunst zu sammeln. Verdient hat er sich die Grafiken, Drucke und Radierungen von Bruno Bruni, Ernst Fuchs oder Johnny Friedländer mit Taxifahren. Durch die Besuche von Galerien und später Kunstmessen habe er seinen Horizont erweitert und das Sammeln von Kunst sei eine echte Leidenschaft geworden.
»Ich wollte aber nie nur kaufen, sondern immer auch die Menschen dahinter kennen lernen«, erzählt er. Und so kennt er viele der Künstler, deren Werke er sammelt, persönlich, wie etwa Jürgen Brodwolf, Maria Lehnen, Jürgen Uecker, David Nash oder Ben Willikens.
In all den Jahren hat sich Hannes Burgdorfs Geschmack gewandelt. Über Bruni, Friedländer und Fuchs ist er zu den schwäbischen Impressionisten gekommen und schließlich bei der informellen, gegenstandslosen Kunst gelandet.

Auch die Kunst, ist der dreifache Großvater überzeugt, stelle jene drei Fragen, über die er immer wieder gern philosophiere und mit Freunden diskutiere: Woher kommen wir? Warum leben wir? Wohin gehen wir? Der Begriff Kunst, meint der Sammler, könne schließlich nicht allgemein verbindlich definiert werden, jeder müsse selbst entscheiden. »Jazz galt doch früher bei uns als »Negermusik« und die Beatles hat man als Heulbojen bezeichnet«. Heute seien Jazz und Beatles längst Klassiker, ebenso wie Max Beckmann oder Otto Dix, die lange verfemt waren.

Hannes Burgdorf ist offen für Neues, auch in der Kunst und glaubt sich, wie die meisten Menschen, nicht völlig frei von Eitelkeit. Die aber sei gewiss nicht das Hauptmotiv dafür, dass er einen Kunstpreis stiftet. Burgdorf ist Mitglied im Leonberger, Böblinger und im Stuttgarter Galerieverein sowie in der Kunststiftung Baden-Württemberg. »Viele Menschen sind ehrenamtlich in der Kunstszene aktiv und investieren viel Zeit. Ich investiere statt dessen Geld, auch, weil ich weiß, wie hart viele Künstler um ihren Lebensunterhalt kämpfen müssen.«
Hannes-Burgdorf-Preis